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Ländliche Räume: Zukunftsträger oder Orte verlorener Idylle?

Erschienen am 14.03.2019
Schwerin (dpa/mv) - Gut zwei Monate vor der Wahl zu den Gemeindevertretungen und Kreistagen am 26. Mai hat der Landtag den ländlichen Raum in den Mittelpunkt einer Aktuellen Stunde gestellt. Das Thema hatte die AfD unter dem Titel «Heimat im Wandel - Alternative für ländliche Räume» auf die Tagesordnung gesetzt. Ihr Abgeordneter Ralph Weber musste harsche Kritik von Rednern der anderen Fraktionen einstecken, als er das Bild einer verlorenen dörflichen Idylle zeichnete. Weber beschrieb ein Dorf seiner badischen Heimat aus den 1960er Jahren mit landwirtschaftlichen Unternehmen im Ort, Geschäften, Gemeindebüro, reichem Vereinsleben und Hecken an den Feldern mit einer Vielzahl von Tier- und Pflanzenarten. Solche Dörfer gelte es wiederzuerrichten, sagte er.

Agrarminister Till Backhaus (SPD), der in der Landesregierung für die ländlichen Räume zuständig ist, warf Weber «Gefühlsduselei» und Populismus vor. Die ländlichen Räume seien immer Zukunftsräume gewesen und würden es auch weiterhin sein. Die von der AfD geforderten Gemeindebüros, in denen die Bürger auch Angelegenheiten mit dem Landkreis erledigen können, gebe es bereits. Die Landwirtschaft im Nordosten arbeite effizient. Es gebe im ländlichen Raum fast zehntausend ehrenamtliche Bürgermeister, Gemeindevertreter und Kreistagsabgeordnete.

Der CDU-Fraktionsvorsitzende Vincent Kokert berichtete, er lebe in einem Dorf im Landkreis Mecklenburgische Seenplatte mit 26 Einwohnern. Dort gebe es wegen der geringen Einwohnerzahl vieles nicht - etwa kein Rathaus und keinen Laden. Trotzdem ziehe es wieder junge Leute in den ländlichen Raum, weil sie sich dort entfalten könnten. Und wenn jemand nicht auf dem Land investieren wolle, weil es nicht gewinnbringend erscheine, «dann nehmen wir die Sache eben selber in die Hand».

So stelle Mecklenburg-Vorpommern 50 Millionen Euro für Mobilfunkantennen in Dörfern zur Verfügung, sagte Kokert. Eine gute Internetanbindung sei sehr wichtig für den ländlichen Raum, zum Beispiel für die Telemedizin. Auch für die Ausstattung der Feuerwehren gebe es 50 Millionen Euro. «Der ehrenamtliche Bürgermeister und die Feuerwehr, das sind in manchen kleinen Orten die einzigen Gesichter des Staates, die sichtbar sind», sagte er.

Der BMV-Abgeordnete Bernhard Wildt berichtete aus seinem Dorf auf Rügen. Der Nahverkehr sei unzureichend, die medizinische Versorgung dünne aus. Aber die Menschen hätten sich eine Perspektive mit dem Tourismus erarbeitet. Auch um die Städte und entlang der Autobahnen blühten Gemeinden. In abseits gelegenen Orten sei die Landwirtschaft die Lebensgrundlage. Backhaus äußerte Sorge vor einer zunehmenden Konzentration beim Eigentum an Boden.

Der Minister verwies auf Programme für den ländlichen Raum in MV, zum Beispiel für Dorfläden. In der Bio-Landwirtschaft sei Mecklenburg-Vorpommern ein Vorreiter, sagte er weiter. Er trat in der Debatte auch Befürchtungen über das Artensterben in Mecklenburg-Vorpommern entgegen. Eine Untersuchung seines Hauses habe ergeben, dass alle betrachteten Arten, die es vor 100 Jahren im Nordosten gab, noch da seien, sagte er. Zum Umfang der Populationen äußerte er sich nicht. Der Minister will die Untersuchungsergebnisse am kommenden Montag vorstellen.

Der Vorpommern-Staatssekretär Patrick Dahlemann (SPD) betonte, auch die Kleine Grundschule mit jahrgangsübergreifendem Unterricht gehöre zu den Einrichtungen, die den ländlichen Raum lebendig hielten. Der Linken-Politiker Wolfgang Weiß warf der AfD vor, sie biete keine Alternativen für den ländlichen Raum in Mecklenburg-Vorpommern. Dahlemann sagte: «Herr Weber, Sie sind noch nicht in Mecklenburg-Vorpommern angekommen.»